Glaube um 1500

Religion war um 1500 allgegenwärtig. Gottesdienste und Gebete strukturierten den Alltag. Kirchen prägten das Stadtbild, die Glocken läuteten Gottesdienste ein und kündeten von freudigen Anlässen, Gefahren und vom Sterben. Gott galt den Menschen als alles bestimmender Herrscher − ihm zu gefallen war ihr oberstes Ziel. Sie hofften auf Erlösung am Tag des Jüngsten Gerichts. Um Gottes Zorn zu Lebzeiten zu entkommen, taten die Gläubigen vieles inner- und außerhalb der Kirche.

Glaubenshandlungen in der Kirche

In der Kirche besuchten die Gläubigen Gottesdienste, versenkten sich individuell in Gebete, konnten Kerzen oder Geld spenden. Hier empfingen sie die sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Hochzeit und manchmal auch die Priesterweihe und die letzte Ölung. Die Rituale begleiteten das Leben von der Geburt bis zum Tod.

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Eucharistie

Die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi stand im Zentrum der Messfeier. Die Gläubigen sollten das Sakrament, die Kommunion, mindestens einmal im Jahr empfangen.

Firmung

Nur Bischöfe spendeten die Firmung. Der Firmling empfing die sieben Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Wissen, Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Beichte

Das Bekennen der Sünden war die Voraussetzung für die Teilnahme an der Kommunion. Das verhalf dem Sünder zur Erlösung von den Sünden, ausgesprochen durch den Priester.

Taufe

Kinder wurden meist in der ersten Lebenswoche getauft. Die Taufe war Voraussetzung für das Seelenheil. Mit der Taufe erhielt der Säugling seinen Namen.

Hochzeit

Das Sakrament der Ehe sprach sich das Brautpaar gegenseitig zu. Nur durch den Segen des Priesters wurde es rechtsgültig. Geheiratet wurde sowohl in als auch vor der Kirche.

Sterbesakramente

Der Priester kam zum Sterbenden, spendete ihm die Kommunion und nahm ihm die Beichte ab. Die letzte Ölung besteht aus der Salbung der Sinne: Augen, Ohren, Nase, Mund, Hände und Füße.

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Pilgern

Gläubige unternahmen große und kleine Reisen an „heilige Orte“. Dafür gab es viele Gründe: Buße und Sündenerlass, Erfüllen eines Gelübdes, Strafe für ein Verbrechen, Erhoffen von Gottes Hilfe und der Dank dafür.

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Ablasshandel

Ein Ablass ist ein Gnadenakt zur Lossprechung von den Sünden. Durch fromme Handlungen kann er erworben werden. Um 1500 hatte sich daraus ein florierendes Geschäft entwickelt: Man konnte ihn für Geld erwerben.

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Glaube zuhause

Der Glaube war auch Alltagsbestandteil. Morgens und abends sowie vor dem Essen wurde gebetet. Religiöse Darstellungen zierten viele Alltagsgegenstände. Reiche besaßen sogar religiöse Bücher und Kunstwerke.

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Kirchweihfest

Auf der Kirchweih trafen sich Frömmigkeit und Festkultur. Die Gemeinde feierte den Jahrestag der Weihe ihrer Kirche natürlich mit Gottesdiensten, aber auch mit Jahrmärkten rund um die Kirche.

Credits

Recherche

Susanne Kimming-Völkner

Grafik

Christian Eisenberg

Literaturnachweis

Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation in Mitteldeutschland: Katalog zur Ausstellung „Umsonst ist der Tod“, hrsg. v. Hartmut Kühne/Enno Bünz/Thomas T. Müller, Petersberg, 2013.Angenendt, Arnold: Grundformen der Frömmigkeit im Mittelalter, München, 2003.Kimmig-Völkner, Susanne: Vorreformatorische Frömmigkeit, in: Martin Luther. Treasures of the Reformation/Martin Luther Schätze der Reformation, hrsg. v. Harald Meller/Colin B. Bailey/Martin Eberle/u. a., Dresden, 2016, 92–93.Limentani Virdis, Caterina/Pietrogiovanna, Mari: Flügelaltäre : bemalte Polyptychen der Gotik und Renaissance, München, 2002.Thürlemann, Felix: Rogier van der Weyden:  Leben und Werk, München, 2006.